Polenfahrt 2016 (30.5-4.6.2016)

Polenfahrt 2016 (30.5-4.6.2016)

Die Schüler des 10. Jahrgangs der Gesamtschule Rödinghausen besuchten im Rahmen einer Studienfahrt nach Polen das ehemalige Arbeitslager Auschwitz und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Tor zum Stammlager Auschwitz mit dem menschenverachtenden Spruch
Tor zum Stammlager Auschwitz mit dem menschenverachtenden Spruch

Unserem Jahrgang wurde durch die Förderung der Bethe-Stiftung ermöglicht, das größte Konzentrationslager zu besichtigen, das es im 2. Weltkrieg gab (Worüber wir sehr dankbar sind!). Somit konnten zum fünften Mal Schüler wie auch Lehrkräfte sich vor Augen führen lassen, wie im 2. Weltkrieg vor allem die Juden gelitten haben. Deswegen haben sich die Mitfahrenden bewusst dazu entschieden, an der Fahrt teilzunehmen.

Natürlich haben wir auch die Stadt Krakau besichtigt und in schönen Restaurants zu Abend gegessen, aber das Konzentrationslager stand natürlich im Vordergrund.

Am ersten Tag nach unserer Ankunft fuhren wir zum Stammlager Auschwitz, wo wir an einer Führung teilgenommen haben. Zu Anfang ging man durch das Tor, was mit folgenden Worten überschrieben war: „Arbeit macht frei“. Von weitem sah man schon die vielen

Umzäunung mit Stacheldraht
Umzäunung des Geländes des Stammlagers Auschwitz, im Hintergrund einige Baracken aus Stein

Steinbaracken, in denen die Gefangenen früher gelebt haben und heute alles ausgestellt wird. Selbst die heutigen Juden haben eine Baracke gestaltet. Wir sahen dort sehr viele erschreckende Dinge: die grausamen Gefangenenzellen sowie auch die Exekutionswand, die Gaskammer und auch die Räume, in denen die Leute geschlafen und sich gewaschen haben. Auch die Lebensbedingungen dort waren nicht nur unzumutbar, sondern grauenhaft und menschenverachtend, was uns als großes Unrecht erschien. Es gab auch Räume, in denen die persönlichen Dinge der Gefangenen gelagert wurden. Wenn man hört, wie viele Juden im KZ umgebracht wurden, ist es einfach nur eine riesige, unvorstellbare Zahl; aber, wenn man dann 2 Tonnen Haare sieht (was nur ein Bruchteil der eigentlich 7 Tonnen war), die auf einem Berg zusammen gehäuft wurden, dann merkt man erst richtig, wie vielen Menschen solch ein grauenhaftes Leid zugefügt wurde. Aber nicht nur Haare, sondern auch viele persönlichen Dinge wie Schuhe und auch Teller oder Besteck waren in Massen dort vorhanden.

Blick aus dem Turm der Kommandantur auf einen Teil von Auschwitz-Birkenau; jeder Kamin steht für eine Baracke
Blick aus dem Turm der Kommandantur auf einen Teil von Auschwitz-Birkenau; jeder Kamin steht für eine Baracke

Im Gegensatz zum Stammlager Auschwitz war das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager in Birkenau noch viel größer. Dieses bestand nur aus Holzbaracken, was vor allem im Winter schrecklich gewesen sein muss. Auch hier haben wir an einer Führung teilgenommen und uns das ganze Gelände zeigen lassen. Das Gelände ist riesig, überall stehen Holzbaracken, die zum Teil  abgebrannt waren. An der Menge der Baracken konnten wir wieder erkennen, wie viele Menschen dort gelebt haben. Die Gaskammern wurden Anfang 1945 gesprengt und davon waren nicht mehr als zwei Trümmerhaufen übriggeblieben. Anders als im Stammlager Auschwitz war in diesen Baracken nichts ausgestellt, außer ein paar Bilder. Man brauchte auch nichts lesen, denn alles, was man dort sah, hat gezeigt: „Ein Blick sagt mehr als tausend Worte“. Für uns und auch für unsere Mitschüler/innen war das, was wir dort sahen, schlimmer als das in Auschwitz. In der Führung sind wir auch durch die Waschräume gegangen, in denen die Menschen nach der Selektion ausgezogen und gewaschen wurden.

Die so genannte Rampe in Auschwitz-Birkenau, auf der die Menschen selektiert wurden; im Hintergrund die Kommandantur
Die so genannte Rampe in Auschwitz-Birkenau, auf der die Menschen selektiert wurden; im Hintergrund die Kommandantur

Dieses KZ sehen zu dürfen, war eine gute Sache. Wirhatte das Gefühl, es den Juden schuldig zu sein, uns anzuschauen, wie sie leiden mussten. Uns wurde auch noch die Ehre zuteil, ein Gespräch mit einer Zeitzeugin zu führen. Aus dem Mund einer Frau, die im 2. Weltkrieg einmal selbst im KZ gelebt hat, ihre Geschichte zu erfahren, war erschreckend. Wir hatten das Gefühl, jetzt erst richtig zu begreifen, wie die Juden sich gefühlt haben müssen. Diese Frau war und ist immer noch sehr mutig. Wir wissen nicht, ob wir so offen über diese Vergangenheit sprechen könnten, wie sie es getan hat. Sie hatte einen richtigen Grund, uns ihre Geschichte mitzuteilen. Unsere ungeteilte Aufmerksamkeit galt ihr, als sie meinte: „Ihr seid die Zukunft, die Welt liegt in euren Händen und ihr sollt dafür sorgen, dass so etwas Schreckliches nicht noch mal passiert“.

Diese Fahrt war sehr interessant und für einen selbst bereichernd. Durch das, was wir gesehen haben, sehen wir jetzt alles mit anderen Augen: Wir sind den Juden schuldig, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht nochmal passiert, denn, wie die Frau gesagt hat, liegt die Welt in unseren Händen.

 Anna Lynn und Aylina

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